Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

Krumme Lanke

Wofür gibt sich eine Gemeinde einen Namen? Will sie mit ihm ein Bekenntnis ablegen? Oder einen Vorsatz formulieren? Oder eine historische Persönlichkeit würdigen, die vorbildhaft gewirkt hat oder Vorbildhaftes geleistet hat? All dies könnte sie mit ihrer Namensgebung versuchen – es ist aber gar nicht so einfach. Denn die Gefahr ist groß, entweder ein so allgemeines Zeugnis abzulegen, das kaum noch etwas aussagt (wie man es zum Beispiel mit einem Namen wie „Jesus-Christus-Gemeinde“ tun würde), oder eines, das nur für einen Teil der Gemeinde Gültigkeit hat.

Wenn die Pfarrerin und der Pfarrer die Konfirmanden fragten, welchen Namen sie sich für die Gemeinde wünschten, hieß es unisono: „Greta-Thunberg-Gemeinde“! Das wäre zwar ein klares Bekenntnis, aber es würde nur einen Teil dessen ausdrücken, was christliches Ethos heute umfassen mag, und ziemlich sicher auch nicht von allen Gemeindegliedern mit gleicher Begeisterung begrüßt. Es ist auch nicht einfach, ein Bekenntnis abzulegen, das sich sinnfällig und begründeter Weise von denen anderer Gemeinden unterscheidet und auf uns eher als auf andere zuträfe. Dann wäre ein solcher Name „nur ein Etikett“.

Um nicht missverstanden zu werden: ich wünschte mir einen Namen, der ein beherztes Bekenntnis ausdrückt, das alle Glieder der Gemeinde teilen, der leicht zu verstehen ist und uns im Gemeindeleben wie ein leuchtender Stern ein Fixpunkt sein kann! Allein: ich sehe einen solchen Namen nicht. Es muss schon unser Glaube als Ganzes unser Leitstern sein. Und dann finde ich es besser, sich auf die Funktion eines „Etiketts“ zu beschränken.

Denn ganz sicher kann ein Name Gemeinsamkeit stiften, kann einen Identifikationspunkt bilden, auf den sich alle Glieder und Gruppen der Gemeinde beziehen können, der etwas über unsere Gemeinde aussagt, nämlich über ihre geographische Lage in der Welt, und der für jeden das transportieren kann, was er an Erfahrungen und Erinnerungen hineinlegt. Dafür würde ich plädieren, zumal es mit dem interessanten Namen eines Sees an den Grenzen unserer Gemeinde einen sehr guten Kandidaten für einen solchen Namen gibt. Ich plädiere für „Gemeinde an der Krummen Lanke“! Wahrscheinlich ist jedes Gemeindeglied mindestens einmal in seinem Leben in der Krummen Lanke schwimmen gewesen oder um sie herumgewandert. Sie ist ein Stück Heimat und verbindet uns, erzählt, wo wir zuhause sind – und ihr Name ist weit über die Grenzen Berlins bekannt. Mir gefällt gerade, dass es sich nicht um eine „gerade Lanke“ handelt, um etwas perfekt Gelungenes, sondern um etwas zwar sehr Schönes, aber Unperfektes – zumindest in seinem etwas schnodderigen Namen. Als „Gemeinde an der Krummen Lanke“ würden wir uns in den Reigen der Seengemeinden einfügen, von der Gemeinde am Wannsee über die am Nikolas- und Schlachtensee bis zu uns an der Krummen Lanke. Das ist doch ganz schön.

Dr. Hans Dieter Heimendahl

Letzte Änderung am: 05.05.2021